01, 02, 03, 05, 07, 08, 19, 20, 25, 29
[01.09.04, mi, 11:30]
Ich habe sehr gut geschlafen und angenehm geträumt.
Nicht nur das: meine Krise scheint überwunden, denn ich kann wieder klar denken und habe neue Ideen, um meine Probleme zu lösen und mein Leben angenehmer zu machen.
[12:00]
Das Wetter ist sehr schön. Ich werde zu einem kleinen Lauf starten.
[13:00]
Bin vom Lauf 325 zurück.
[02.09.04, do, 6:30]
Heute morgen kurz vor vier Uhr waren es nur 8 Grad.
[03.09.04, fr, 13:15]
Eigentlich wollte ich mir die 23. Auflage des Dudens nicht kaufen, aber wer soviel wie ich öffentlich schreibt und sich außerdem mit der Rechtschreibrefom beschäftigt, muß die Veränderungen der Rechtschreibung einfach kennen. Deshalb habe ich mir heute den Duden 2004 gekauft.
[05.09.04, so, 16:40]
Habe heute geschrieben, warum die neue ss-ß-Schreibung zurückgenommen und außerdem das ß erhalten werden muß.
[07.09.04, di, 18:30]
Gestern war ich auf dem Arbeitsamt.
Der Besuch war eben so frustrierend wie Anfang der 1990er Jahre:
Die Damen am Schalter tun so, als wenn sie alles wissen, bis man nachfragt - dann verkünden sie, nur Aufnahmeformulare auszufüllen.
Die Dame, die alles wissen müßte, weil sie die Sachberarbeiterin ist, hat lange gebraucht, um meine Frage, ob ich Anspruch auf eine Leistung habe, zu beantworten.
Dafür hat sie mir in scharfen, lauten Ton ihre Lebensweisheit aufgedrängt: "Sie müssen sich endlich mal entscheiden, ob Sie studieren oder Geld verdienen wollen - diese Entscheidung kann ich Ihnen nicht abnehmen!"
Ich hatte den Eindruck, die junge Frau, die sehr unausgeglichen aussah, mußte irgendwann ihr Studium abbrechen und hat nie verwunden, daß sie nun diese blöde Arbeit im Amt machen muß.
Na dann aber lieber studieren und kein Geld haben!
Als ich die Menschen im Arbeitsamt gesehen habe, nicht nur über 50jährige, sondern auch junge Menschen, spürte ich ihre Hoffungslosigkeit.
Als ich vor über zehn Jahren auf dem Arbeitsamt war, bot man mir wenigstens noch Arbeit als Hucker auf dem Bau an. Diese Stellen sind jetzt bestimmt auch schon vergeben.
[19:30]
Heute ist mir klargeworden: meine Problem ist nicht, ob ich weiterhin studiere oder nicht, sondern ob ich mein immer weniger werdenden Lohn aufbessern kann, damit ich Geld zum Studieren habe.
Sollte mir das nicht gelingen, werde ich auf dem Sozialamt landen und in den Genuß von Hartz 4 kommen.
Das meine ich nicht ironisch, denn mit Lohn und Wohngeld habe ich deutlich weniger Geld, als ich durch Hartz 4 bekommen würde.
Sollte ich nicht mehr studieren, wird es mir finanzielle bessergehen, aber gleichzeitig werde ich eingegliedert in die Schar der vielen Arbeits- und Hoffungslosen.
[08.09.04, mi, 11:40]
Auf der Seite Lang-s schreibe ich, warum ich in Antiquaschriften und HTML-Seiten nicht zwischen langem und Schluß-s unterscheide, obwohl es technisch möglich wäre: Lang-s.
[18.09.04, sa, 17:00]
Gestern abend habe ich mit meinem Bruder telefoniert.
Mir scheint, er ist deutlich weniger auf Konfrontation aus und läßt seinen Frust auf die Welt nicht mehr an Unbeteiligten aus.
Vielleicht ärgert er sich auch weniger, weil er hin und wieder wieder Arbeiten geht darf - ja, so muß man heute wohl schon sagen: darf. Nicht nur mein Bruder wird sehr von der langen Arbeitslostigkeit belastet, sondern auch viele andere junge Männer, die Arbeiten wollen und können, aber nicht dürfen, weil niemand ihnen Arbeit gibt.
Ob sich mein Bruder weniger ärgert oder anders mit seinem Ärger umgeht, kann ich nicht einschätzen. Deutlich ist mir jedoch geworden: ein gutes Verhältnis zu meinem Bruder, zu meiner Familie insgesamt, ist mir wichtiger als zu anderen Menschen, obwohl ich Freunde sehr schätze. Aber Freunde können niemals eine Familie sein, wie wichtig und gut sie auch immer sein mögen.
[17:30]
Das heißt aber nicht, ich würde mir mit Freunden weniger Mühe geben.
Gestern vormittag habe ich mich mit einem alten Freund getroffen, mit dem ich mich entzweit hatte.
Wenn ich ihn richtig verstanden habe, hat seine Frau ihn letztens gestreßt, weil er soviel Zeit mit mir verbringt, und er hat seinen Ärger an mich weitergegeben.
Außerdem hat hatte er jedesmal einige Bier getrunken, während ich nüchtern gewesen war, was die Verständigung erschwerte.
Als wir beide nüchtern waren, haben wir uns so gut verstanden, als wenn wir beide einige Bierchen gezischt hätten.
Ich freue mich sehr, daß wir uns wieder verstehen, weil ich ihn sehr schätze: er ist nicht nur ein "typischer", sondern auch ein senbiler Mann, der schöne, ruhige Geschichten erzählen kann.
[19.09.04, so, 7:10]
Heute wird wiedereinmal gewählt in Brandenburg, und ich weiß noch nicht, welche Parteien oder Personen ich wählen werde, obwohl ich mich noch nie so umfassend mit der Thematik geschäftig habe.
[9:03]
So, ich habe Wäsche gewaschen, gut gefrühstückt - nun werde ich aufbrechen und meine Stimmen abgeben.
Ich weiß aber noch immer nicht, wen ich wähle. So unentschlossen wie zu dieser Wahl, war ich noch nie.
In der Wahlkabine, wenn Personen und Parteien vor mir liegen, werde ich meiner Eingebung folgen.
[9:30]
Im Wahllokal vor mir empfing ein älteres Ehepaar seine Wahlzettel. Während ich meinen Zettel erhielt, war ein Teil des Paares bereits aus der Wahlkabine zurück und steckte seinen Wahlzettel in die Wahlurne.
"Das ging ja schnell", rutschte mir leise von der Zunge.
Ich brauchte länger zum Wählen, zumal die Partei bzw. Gruppe, die ich wählen wollte, nur in der Spalte Zweitstimme vertreten war, nicht aber als Erststimme gewählt werden könnte. Schade, ich hätte ihnen gern meine beiden Stimmen gegeben.
Deshalb wählte ich mit meiner Erststimme (Direktkandidaten) einen Vertreter einer Regierungspartei, mit meiner Zweitstimme (Landtagskandidaten) eine Partei bzw. Gruppe, die wohl noch nicht im Landtag vertreten ist.
Für alle, die spekulieren: damit scheidet die DVU aus, denn die sitzt bereits im brandenburger Landtag, jedoch ohne Einfluß ausgeübt zu haben, großartig wahrgenommen zu werden oder der Demokratie geschadet zu haben.
Ich sehe das so: eine Partei, die nicht verboten ist, darf gewählt werden, und wer DVU, NPD, DKP, PDS, Grüne, SPD, CDU oder was weiß ich wählen will, darf und soll es tun.
[17:30]
Ich bin sehr gespannt, wie die Wahlen in Brandenburg ausgegangen sind.
Vor allen Dingen: wie viele Stimmen die Partei bzw. Gruppe, die ich gewählt habe, bekommen hat, ob sie vielleicht in den Landtag einzieht.
Was ich eigentlich nicht glaube, aber hoffe: SPD, CDU, PDS, DVU haben fünf Jahre Zeit gehabt, Brandenburg zu regieren - es wird nichts schaden, wenn weitere Parteien/Gruppen in den Landtag einziehen, die spezielle brandenburger Politik machen und nicht nur Ableger ihrer Bundesparteien sind.
[18:45]
Tja, die Partei/Gruppe, die ich mit meiner Zeitstimme gewählt habe, wird in der Berichterstattung nicht erwähnt, verliert sich unter "Andere".
Ich muß also auch damit leben, ein "Verlierer" zu sein, weil ich keinen Gewinner gewählt habe.
Aber ich wollte keine der Parteien/Gruppen wählen, deren Bestand oder Einzug in den Landtag vorausgesagt worden war, weil ich mit ihnen allesamt nicht zufrieden war.
[20.09.04, mo, 11:20]
Da nach der bandenburger Landtagswahl 2004 die SPD und die PDS die beiden stärkesten Parteien sind, aber keine allein regieren kann, müßten beide eine Koalition bilden.
Bisher will die SPD aber weiterhin mit der CDU, die drittstärkste Partei geworden ist, regieren. Damit würde die Wahl an der Regierung nichts verändert haben. So sehe ich aber den Willen der Wähler nicht.
Auch wenn ich kein Freund einer rot-roten Regierung bin, aber ich akzeptiere das Wahlergebnis und würde mich auch einer SPD-PDS-Koalition regieren lassen.
Zumal ich ja außer auszuwandern keine Möglichkeit hätte, mich zu widersetzen. Aber wenn selbst Westberliner mit einer rot-roten Landesregierung seit einigen Jahren leben müssen und können, werde es die Brandenburger auch schaffen.
[25.09.04, sa, 18:00]
Gestern abend war ich nach langer, langer Zeit wieder einmal in einer Gaststätte.
Von 19 bis gegen 23 Uhr war ich mit Freunden in einer niedlichen Kneipe in der Gutenbergstraße, in der ab gegen 21 Uhr drei junge Herren Jazz spielten.
War schön, wieder einmal ausgegangen zu sein.
Ich hatte Spaß fast wie in alten Zeiten, auch wenn ich nur zwei Pfefferminztee trank, wenn auch nicht so lange. War aber nicht schlimm, denn nüchtern sollte man wohl nicht kurz vor Mitternacht in einer Kneipe sein.
Auf dem Weg nach Hause traf ich viele angeheiterten Menschen. Unter ihnen fühlte ich mich unbehaglich.
Ein Teil des Weges mußte ich laufen, weil eine Straßenbahn "ewig" nicht kaum und der Bus, den ich nutzte, nicht in der Nähe meines Hauses hielt.
Erstaunt war ich über meine sehr dunkle Stimme, die ich den hatte, ohne geraucht zu haben und ohne daß das Lokal sehr verraucht war.
Beim heutigen Lauf 333 bekam ich nicht richtig Luft, obwohl die Luft klar war.
[29.09.04, 11:29]
Die letzten Tage waren sehr aufregend, weil ich zerrissen war wie lange nicht mehr.
Leider sah ich nur eine Möglichkeit, die mich zu zerreißen drohenden Kräfte zu zähmen: Essen.
So wundert es nicht, daß ich gestern morgen 107 Kilo wog und damit vier Kilo in den letzten 15 Tagen zugenommen habe.