[05.04.99]
Im Mai 1995 entdeckte zufällig "Schweiß der Sonne, Tränes des Mondes" von Peter Lourie.
Ich sah das Cover und las den beschreibenden Text:
Während eines Studienaufenthaltes in Equador lernt Peter Lourie einen reichen Großgrundbesitzer kennen, der ihm von einem fabelhaften Schatz der Inkas erzählt. Gibt es diesen Schatz tatsächlich? Oder handelt es sich bloß um eine faszinierende Fiktion? Lourie macht sich auf in den Nebelwald Equadors, auf die Suche nach den letzten Nachfahren der Inkas und nach einem Schatz, den es vielleicht gar nicht gibt.
Und schon kaufte ich das Buch dieses für mich unbekannten Autors. Und ich verschlang es, wie ich zuletzt 1992 Paul Austers "Mond über Manhattan" verschlungen hatte.
Beim Lesen fand ich zum Beispiel:
Doch ich begann langsam zu begreifen, daß die Besessenheit der Schatzsucher nicht bloß vom Wunsch nach Reichtum herrührte. Die krankhafte Gier nach dem Gold ist - wie wohl alle Formen der Besessenheit - organisch bedingt. Sie beginnt irgendwann aus irgendeinem Grund, doch durch einen individuellen inneren Vorgang führt sie schließlich in eine ganz andere Richtung. Ein Schatz, das ist das Symbol für die Lösung existentieller Probleme. Für Andy bedeutete das Gold die Erinnerung an seine Kindheit in der Sierra, die verlorene Unschuld, die er wiedererlangen wollte. Für Francisco war Atahualpas Gold ein Mittel, sich und seinen Eltern zu beweisen, daß er über ihrem Geld stand.
[Seite 130, Serie Piper Abenteuer, ISBN 3-492-12053-9]
Und für mich?
Was suchte ich auf den Wanderungen in meiner Kindheit in Crimmitschau?
Suche ich meinen verstorbenen Vater?
Wußte ich mit vier oder fünf Jahren schon, daß er tot war und nie wiederkommen würde?
Oder glaubte ich noch, er wäre nur auf einer Reise, von der er bald zu mir zurückkommen würde?
Oder wollte ich nur allein sein, um für mich Raum für mich gegen meine Mutter zu finden?
Und wonach suche ich heute? Peter Lourie schreibt:
Denn ist es nicht so, daß auch Beweggründe Mutationen unterworfen sind? Eines Tages beschließt man, aus was für einem Grund auch immer, nach etwas zu suchen, dann aber entwicklet die Suche selbst ein Eigenleben, was dazu führt, daß die Beweggründe sich ändern, je länger man sucht.
[Seite 131]
Aber nicht nur mit meinen Gedanken fühlte ich mich bei Peter Lourie gut aufgehoben, auch meine Abenteuerlust wurde befriedigt.
[11.01.2008, fr, 21:00]
Auf seiner Website (peterlourie.com) vermerkt Peter Lourie "Sweat of the sun, tears of the moon", so der Titel der Originalausgabe von "Schweiß der Sonne, Tränen des Mondes", als sein erstes erschienenes Buch, fast 20 weitere, meist Kinderbücher folgten.
Seine umfangreiche Website eröffnet außerdem interessante Einblicke in sein Leben und Schaffen.
Ein sehr angenehmer Zeigenosse.